7 Woche Ohne - Der Passionsblog der Emmaus Gemeinde

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# Aktuelle Neuigkeiten

7 Woche Ohne - Der Passionsblog der Emmaus Gemeinde

Liebe Gemeinde,

die Passionszeit ist angebrochen. Gerne wollen wir Sie mitnehmen in diese Zeit. Dazu wird es jeden Mittwoch in diesem Blog einen neuen Impuls oder eine kleine Andacht zum Nachlesen geben von einer/m unserer Pfarrerinnen oder Pfarrern. Die Texte orientieren sich dabei an dem jährichlichen Motto der evangelischen Kirche: "7 Wochen ohne". In diesem Jahr heißt es "Mit Gefühl! 7 Wochen ohne Härte". 7 Wochen voller Gefühl, jede Woche ein neues – alle unterschiedlich und doch alle so menschlich.

Woche 1: Sehnsucht - Ein Beitrag von Pfarrerin Sander

Sehnsucht

… nach Anerkennung

… nach dem verstorbenen Freund

… nach Zeit zur freien Verfügung

… nach einer, die dich versteht

… nach einem Leben in körperlicher und finanzieller Sicherheit

… nach der Person aus der Nachbarklasse

Warum sehnt man sich auf deutsch eigentlich nach etwas? Ich vermute: weil die Sehnsucht sich anfühlt, als sei man abgehängt, als hinge man hinterher.

Das Objekt der Sehnsucht, das, was fehlt, ist vielleicht gar nicht allzu weit entfernt, aber dennoch unerreichbar, egal wie sehr man sich streckt, wie doll man sich verbiegt gar zerschmilzt, vergeht.

Das Herz will aus dem Körper schlagen, zieht nach außen.

Die Bibel kennt vor allem die Sehnsucht nach Gott. Aber auch von der Sehnsucht nach einem Kind wird erzählt, von der Sehnsucht nach einer gerechten Welt, von der Sehnsucht nach Linderung von Leid, das Gott fortnehmen möge.

Ich fand es schon oft tröstlich, dass die Bibel nicht nur von Figuren erzählt, deren Sehnsucht rein auf Spirituelles und Jenseitiges gerichtet ist, sondern von Menschen voller Verzweiflungen, Herzenswünschen und Klagen – und dass Gott all das hört und annimmt.

So wünsche ich uns eine gesegnete und gefühlvolle Passionszeit!

Psalm 42, 2-12:
2Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir.
3Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue?
4Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht, weil man täglich zu mir sagt: Wo ist nun dein Gott?
5Daran will ich denken und ausschütten mein Herz bei mir selbst: wie ich einherzog in großer Schar, mit ihnen zu wallen zum Hause Gottes mit Frohlocken und Danken in der Schar derer, die da feiern.
6Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er mir hilft mit seinem Angesicht.
7Mein Gott, betrübt ist meine Seele in mir,  darum gedenke ich an dich im Lande am Jordan und Hermon, vom Berge Misar.
8Deine Fluten rauschen daher,  und eine Tiefe ruft die andere; alle deine Wasserwogen und Wellen gehen über mich.
9Am Tage sendet der Herr seine Güte, und des Nachts singe ich ihm und bete zu dem Gott meines Lebens.
10Ich sage zu Gott, meinem Fels: Warum hast du mich vergessen? Warum muss ich so traurig gehen, wenn mein Feind mich drängt?
11Es ist wie Mord in meinen Gebeinen, wenn mich meine Feinde schmähen und täglich zu mir sagen: Wo ist nun dein Gott?
12Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

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Woche 2: Weite - Ein Beitrag von Pfarrerin Hellmann

Weite im Kopf – mitten im Alltag

„Ich freue mich und bin fröhlich über deine Güte, dass du mein Elend ansiehst und kennst die Not meiner Seele und übergibst mich nicht in die Hände des Feindes; du stellst meine Füße auf weiten Raum.“ (Psalm 31,8–9)   

Passionszeit? Viele merken davon heute kaum noch etwas. Zwischen Meetings, Einkäufen, Streaming und Terminen rauscht diese Zeit einfach vorbei. Und doch passt sie erstaunlich gut in unseren Alltag. Denn sie erinnert an etwas, das viele von uns kennen: das Gefühl, dass das Leben manchmal ziemlich eng wird.

Der Kalender ist voll. Der Kopf auch. Erwartungen von allen Seiten. Und irgendwo dazwischen wir selbst – oft angespannt, manchmal müde, manchmal innerlich festgefahren. Weite fühlt sich anders an.

Der alte Psalm bringt es überraschend modern auf den Punkt: Gott sieht mein Leben. Nicht nur die schönen Instagram-Momente, sondern auch das, was eng macht. Stress. Sorgen. Die „Not der Seele“, wie es dort heißt. Und dann dieser starke Satz: Du stellst meine Füße auf weiten Raum.

Weite – das ist genau das, was vielen fehlt. Nicht unbedingt mehr Urlaub oder mehr Geld. Sondern innerer Raum. Luft zum Atmen. Die Freiheit, nicht ständig getrieben zu sein. Die Erfahrung: Ich bin mehr als meine To-do-Liste.

Passionszeit kann deshalb auch für moderne Menschen eine Einladung sein: kurz innehalten. Einen Moment ohne Kopfhörer. Ein paar Minuten ohne Bildschirm. Sich erinnern, dass das eigene Leben nicht nur aus Funktionieren besteht.

Gott will nicht einengen, sondern weiten. Nicht zusätzlichen Druck machen, sondern festen Boden geben. Mitten im normalen Alltag.

Vielleicht beginnt Weite heute mit einem einfachen Gedanken: Ich muss nicht alles allein tragen. Und vielleicht sogar mit diesem alten Gebet: Du stellst meine Füße auf weiten Raum.

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